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Newbie versus Gor - so schwer ist´s doch gar nicht!

Dieses Thema im Forum "Rollenspiel Gor" wurde erstellt von Zasta Korobase, 27. April 2010.

  1. Zasta Korobase

    Zasta Korobase Freund/in des Forums

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    Mit den großen Augen eines Noobs – meine Reise nach Gor.

    Guten Tag liebe deutsche Gor-SL-Gemeinde! Ich versuche seit ein, zwei Wochen in dieser erstaunlichen Welt Fuß zu fassen und habe beschlossen, meine Erfahrungen in einem Reisebericht zu sammeln, da man schon hin und wieder Dinge erlebt, die man sich in ein paar Jahren sicherlich selbst nicht mehr glaubt.
    Mein eigentliches Anliegen mit diesem Bericht ist einerseits vielleicht outgame etwas Kontakt zu bekommen und andererseits eventuell anderen Anfängern zu zeigen, dass alles gar nicht so schwierig ist, wie es zu Beginn erscheint.

    Zu meiner Person – ich arbeite im RL im Bereich Grafik-Design (R&D) und habe schon ein paar Jahre Erfahrung mit P&P RP, LARP, Reenactment (besonders das martialische wie berittenes Bogenschießen etc.) und auch einigen Online-MMORPGs. In SL bin ich zwar seit 3 Jahren angemeldet, hatte bisher aber nur eine Gesamtonlinezeit von einigen Stunden, da ich bis jetzt immer nur sporadisch mal Texturen für den Goth-Fetischladen meines Freundes gebastelt habe und außer ein wenig Spazierengehen und „mal umgucken“ mich nicht für diese Welt interessiert hatte. Doch dann erzählte mir ein Bekannter von der Deutschen Steampunk Gesellschaft, dass es in SL Steampunk-RP gäbe. Ich war fasziniert, sah mich in Babbage und Caledon um – und merkte, dass man mit deutschen Onlinezeiten in einer zu 90% amerikanischen Community nichts reißen kann. Schade. Aber es musste doch noch mehr geben!
    Zu meinem Avatar – Zasta ist ein umgänglicher Kerl (er ist halt nicht wie die meisten SL-Kerle 7 Fuß groß und an den Schultern genauso breit sondern eher ein „Normalo“, da neigt man nicht zu Großspurigkeit sonst gibt’s vielleicht fix was auf die Brotmühle). Trotz des auf „a“ endenden Vornamens männlich (wer über feminisierende Namensendungen diskutieren möchte kann das gern mit meinen Kumpels Mischa, Wanja und Sascha von Moskau Inkasso tun) und mittlerweile auch mit einem (meiner noch reichlich wackligen Meinung nach) einigermaßen plausiblen Gor-Hintergrund ausgestattet. Doch das war natürlich nicht von Beginn an so.... Kehren wir also an den Anfang zurück, zu:


    Tag 1 – Manchmal ist ein Hahn nur ein Vogel und Gor ist nix für Weicheier!
    Meine Entscheidung für Gor war eine zufällige. Es war ein Sonntagmorgen, ich hatte eine Auftragsillustration fertigzubekommen und deshalb natürlich absolut keine Lust darauf und irgendwie landete mein Mauszeiger dann statt auf dem Photoshop-Icon „zufällig“ auf dem monatelang unbeachteten SL-Händchen. Da stand Zasta nun auf seiner halb Steampunk halb Medieval eingerichteten schwebenden Insel hoch über Coghaven und wusste nicht, was tun. Am Abend vorher hatten wir im Freundeskreis mal wieder in Thorwal herumgegeistert (also DSA gespielt) und deshalb lag das Thema Fantasy-RP noch in einem vorderen Bereich meines Hirns. Warum nicht? Schau ich mich doch mal nach so etwas um. Vampire-Sims hatte ich schon besucht, da es aber nur Masquerade und nicht Dark Ages gab war das für mich uninteressant, aber gab es auch Fantasy- oder Mittelalter-Sims? Der Suchbegriff „DSA“ ergab in der Searchengine nichts. D&D hatte ich keine Lust. Also, was nun?
    Ich tat das, was ich in solchen Fällen immer tue – dem Zufall die Zügel schießen lassen. Einfach mal wieder hübsche Sims besuchen, vielleicht ein paar Screenshots machen. Ich suchte in meinen Landmarks herum und landete dann im Bentham haunted forest, wanderte dort umher, kapierte einige SL-spezifische Mechanismen nicht und las die Profile der anderen Besucher. Und da passierte es. Eine der Anwesenden hatte eine Gor-Sim als Auswahl und pries diese in den höchsten Tönen. Na, das war doch ein Wink mit dem Zaunpfahl.
    Leider war die nette Dame zu schnell verschwunden, so dass ich sie nicht ansprechen konnte. Trotzdem, Neugier war geweckt. Den Rest des Vormittags verbrachte ich mit der Zusammenstellung eines mittelaltertauglichen Outfits, da man mit Brass Goggles, Clockwork-Gadgets und Zylinder auf Gor sicherlich zuviel des Exotischen wäre.
    Irgendwann fand ich mich angemessen gekleidet und teleportierte auf diese Gor-Sim. Den Namen weiß ich nicht mehr, es war glaube ich irgendetwas mit „Northern“ und auf jeden Fall amerikanisch.
    Kaum angekommen wurde ich natürlich mit Notecards bombardiert, aufgefordert ein Visitor-Tag zu tragen, bekam einen Satz RP-Rules und den Meter gäbe es da vorn in der Kiste...weia, Technik die begeistert! Tapfer kämpfte ich mich durch Dutzende Regeln, stutzte über Begriffe wie „slave“, „Kajira“, „forced collar“ und „rape“ (Holla die Waldfee!) und wollte gerade mit weichen Knien und mit „Traveller“ gelabled die Safezone gen Städtchen verlassen, als ich auf die erste Bewohnerin traf, die sich spärlich bekleidet vor mir auf den Boden sinken ließ. Ich geriet kurzfristig in Panik.
    Einige IMs darauf stellte sich die Dame als unglaublich hilfsbereit und freundlich heraus, wenn mich auch ihre Angewohnheit, jeden Satz mit „Master“ zu beenden ein wenig irritierte. Sie erklärte mir zwar nicht viel, gab mir aber einen Haufen Notecards (dass Notecards so etwas wie Brot und Butter der Gor-RP-Welt sind hatte ich schnell verstanden), welche sich als die gesammelten Gor-Romane entpuppten. Eine oberflächliche Wikirecherche später hatte ich keine Skrupel mehr, dieses Geschenk anzunehmen, weil die Teile ja nicht nur so was von out of print sind, sondern auch teilweise indiziert und im Deutschen bis zur Unkenntlichkeit kastriert (dass das wohl doch anders ist habe ich erst später herausgefunden). Da kann man das Zeug Gewissensbissfrei auf Englisch lesen. Natürlich wusste ich von den Gor-Romanen, doch beschränkte sich dieses Wissen im Wesentlichen darauf, dass Vallejo einige Titelillus gemacht hat und nichts vom Inhalt. Auch hier gab mir Wikipedia einen amüsanten Überblick. Doch gelesen wurde später – jetzt wollte ich mich ins pralle Leben stürzen. Aber leider musste die hilfsbereite Kajira offline – in Amerika war es ja mitten in der Nacht. Also wanderte ich auf eigene Faust los. Hm, schöne Sims haben diese Goreaner wirklich, dachte ich mir, genoss malerische Hüttchen und bunte Wälder – aber leider war niemand anderes zu sehen.
    Ich war enttäuscht und dachte, dass sich meine Steampunk-Erfahrung hier wiederholen würde. Doch da kam ER. ER tauchte praktisch aus dem Nichts auf, baute sich vor mir auf, warf mir ein energisches „Tal!“ an die Rübe und wirkte im Großen und Ganzen bedrohlich. Ich reagierte eher defensiv und mit „Greetings“. Außerdem schickte ich eine IM mit „((Sorry, I´m a total newbie.))“ hinterher. Aber mit solchem Pillepalle konnte ich IHM nicht kommen. In der nächsten Stunde wurde ich das Opfer von Maschinengewehr-IMs, die mir eins klar machten: Wenn die Welt schon kein Ponyhof ist, ist Gor mindestens der Pferdemetzger! Der gute Kerl erwies sich als die-hard-by-the-book-geek und wollte mir nicht nur den Ernst der Lage vor Augen führen (Das hier ist kein Spiel, das man zum Spaß spielt! Das ist die blutige Wahrheit, Rekrut!), sondern mich auch bestmöglich darauf vorbereiten – denn ER war kein schlechter Kerl, sondern im Gegenteil sehr nett (wenn man vom Offensichtlichen absah) und auf seine Weise enorm hilfsbereit. Er versorgte mich mit besseren Klamotten, wies darauf hin, dass ich dringend einen Bogen bräuchte, gab mir noch eine Ausgabe der Romane. Und dann, ja dann kam die Frage, unvermittelt, durch nichts provoziert. „Do you have a decent cock? You will need one“. Nachdem ich daraufhin fast mein Teeglas über meinen Schreibtisch geschüttet, mich wieder im Griff, die Lachtränen weggewischt und mir im Versuch mir die Antwort „That´s what she said!“ zu verkneifen fast selbst die Hand gebrochen hätte, gelang mir ein „Beg your pardon?!“. Ehe ich meine Verblüffung angemessener in Worte kleiden konnte, hatte ich schon eine Box von ihm bekommen, die „lotus cock“ benannt war. Seine Erklärungen zur Nützlichkeit eines Geschlechtsteils im Gor-RP waren eher wolkiger Natur, hinterließen bei mir aber den Eindruck, dass ich dringend dafür sorgen müsste, lieber die anderen Aspekte des Rollenspiels kennenzulernen. Außerdem bereiteten sie den Weg für eine anhaltende Erheiterung, welche mein Sexualleben in den folgenden Tagen eher albern gestalten sollte – aber das ist eine andere Geschichte.
    Nach etwa einer Stunde musste auch ER gehen und ließ mich mit vollem Kopf allein. Ich begab mich deshalb auch erst einmal zurück auf meine kleine Insel, sortierte all die neuen Informationen in meinem Kopf und die Geschenke in meinem Inventar. Die Klamotten waren wirklich nett, da sah man richtig schick mit aus. Wenn Kleider auch auf Gor Leute machten, dann fühlte ich mich auf jeden Fall gut gerüstet. Apropos gut gerüstet...da war doch noch das ominöse Lotus-Paket... Neugierig war ich schon... Also gut, kann ja nicht schaden es mal auszuprobieren. Alle Klamotten ausgezogen, die Lotus-box entpackt und das Teil angezogen; sehr lebensecht, das Ganze – hoffentlich würde jetzt nicht meine Vermieterin Lola auftauchen, welche die Angewohnheit hat, mit ihrer TARDIS (sie ist Dr. Who-Fan) immer völlig unvermittelt bei mir auf der Insel zu erscheinen, wenn ich mal in SL bin! Lola kam nicht, aber ich bekam einen veritablen Lachflash. So ein Penis mit multiplen Funktionen kann doch gar erbaulich sein. Na gut, für den Notfall war ich also ausgerüstet. Reinhold Messner hat ja schließlich auch immer Sauerstoff dabei obwohl er ohne klettert.
    Jetzt wollte ich erst einmal wieder offline. Morgen würde ich mir einen Bogen suchen und mir mal dieses „The Gor Hub“ anschauen, das ER mir ans Herz gelegt hatte.
    Als ich später meinem Freund von meinen Erlebnissen erzählte, reagierte der eher unbegeistert. Er warnte mich, diese Gor-Leute wären eine ganz komische Truppe, er hätte da in SL bisher immer nur Typen getroffen, denen das „Mommy says I´m special!“ praktisch auf die Stirn tätowiert sei. Außerdem hätten die seltsame Ansichten die fast ans Sektenhafte grenzen würden. Ich winkte ab – immerhin hat er in Onlinespielen einen derartig gut funktionierenden Asshole-detector, dass er ständig fast nur den Bodensatz jeder Subkultur findet, während ich meist an nette Vertreter gerate. Dafür hat er ein unverschämtes Dropglück, das mich ihn in WoW immer unheimlich beneiden liess; so gleicht sich alles aus.
    Damit endete also mein erster Gor-Tag. Viel gelernt, viel gelacht und weiter ging es mit:
     
  2. Zasta Korobase

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    Tag 2 – Bogen gegen Plastikmoppen und nur Metal ist auf Gor trve!
    Ich hatte in der Mittagspause den ersten Gor-Roman gelesen und mich sehr amüsiert. Die Welt war wirklich faszinierend und exotisch beschrieben und machte Lust, sie kennenzulernen und in SL zu erkunden – aber Charaktere und Handlung ähnelten in ihrer Plattheit frappierend einem Vortrag von Mario Barth und die verbreitete Philosophie ließ mich ein genaues Bild von John Norman entwickeln, das nicht vorteilhaft für ihn ausfiel. Jedenfalls hatte ich nun die ersten termini technici auf der Zunge (Tarndisk, Priestkings, Larl....) und wollte sie auch benutzen!
    Mir war klar: mit meiner geringen Onlinezeit würde ich kaum volle Integration finden. Ich kann unter der Woche meist nur etwa ein bis zwei Stunden (wenn überhaupt) früh abends in SL sein und an Wochenenden manchmal etwas mehr – das ist für kontinuierliches RP sicher Gift, aber ein wenig „dabeisein“ müsste doch drin sein!
    Mein erstes Anliegen war der Bogen. Immerhin hatte mein energischer Lehrer von gestern auf die Wichtigkeit dieses Utensils deutlich hingewiesen und wer bin ich, ihm da zu widersprechen! Ich durchstreifte mit großen Augen diverse Waffenläden, begeistert von dem breit gefächerten Arsenal, das man finden konnte (Hey, Balestrinas, Horasreich-Pew-Pews! Ich stehe aufs Horasreich.) und entschied mich am Ende doch für den Gorean-freebie-bow vom GIC. Das GIC selbst beachtete ich an diesem Tag noch nicht, da ich nicht genug Zeit hatte und doch noch dringend zum Gor Hub wollte. Außerdem hatten mich die vielen Schilder beim ersten Durchlaufen etwas erschlagen, da wollte ich mehr Zeit haben um sie zu lesen.
    Also auf zum Gor Hub! Ja, auf zum Gor...Hub...ress...ress....eieiei...mein Rechenknecht ist bestimmt nicht die hinterletzte Gurke und unsere Verbindung ist auch flott, aber ich stand erst einmal zehn Minuten und war von grauen Schemen umgeben, die hin und her wogten. Egal! Da musste man durch und irgendwann waren auch fast alle Anwesenden erkennbar.
    Es waren Dutzende! Sofort befiel mich eine irrationale Lähmung. Was, wenn das nun alles Lore-Nazis wären, die jeden Fauxpas sofort mit ewiger Nichtachtung strafen würden? Die waren alle aufwändig angezogen, wild be-primt und entweder wunderschön elfengleich (die nahezu textilfreien Damen mit lustigen collars) oder zweimeter-Muskelkanten in Leder (die durchtätowierten Herren. Ich habe im RL ja selbst meinen Teil an ink, aber sogar mein Tätowierer sähe neben denen aus wie ein Chorknabe! Ich kam mir ein wenig vor wie auf einem Knorkator-Konzert). Nur vereinzelt ein paar Gestalten in Tunika oder Robe, die würdevoll in die Luft starrten.
    Was nun? Unentschlossen stand ich herum, wanderte dann in eine Ecke des Raums (was angesichts des Lags einige Zeit in Anspruch nahm) und lauschte erst einmal. So richtig goreanisch ging es irgendwie nicht zu – aber das zu beurteilen durfte ich mir wohl nicht anmaßen und es sollte wohl auch nur semi-IC sein. Das meiste Geplapper kam von den Kajirae, die über Positionen, Mode, Makeup und ähnliches plauderten. Laaaangweilig. Ich rang mit mir, einfach jemanden anzusprechen, hatte fast schon ein Emote getippt (ich bin zwanghafter Emoter, kaum eine Zeile Dialog ohne erklärendes „/me...“), als mich ein fröhliches „Tal, Bro´. Where´s your homestone?“ erreichte. So lernte ich Griff kennen.
    Griff ist der engagierte Chef der Twinblade Rebels, Söldnern derzeit in mehr oder weniger festem Gehalt einer Stadt. Nicht besonders by the books (er hat eins gelesen) aber herzlich und ein unsentimentaler RPler. Innerhalb von zehn Minuten war ich etwa zwanzigmal mit „Bro´“ angesprochen (Engländer...man muss sie einfach mögen!) und von den Twinblades vereinnahmt worden. Außerdem hatte ich mich bereit erklärt, ein paar Holztexturen für das im entstehen begriffene Fort zu basteln und mir morgen alles einmal anzusehen. Wäre ich Mr. Burns hätte ich mir die Hände gerieben und „Excellent!“ gesagt – ich hatte ersten Kontakt zu Gorspielern bekommen. Da es schon recht spät war, verabschiedete ich mich und kehrte nach Coghaven zurück. Dort vergnügte ich mich noch damit, so lange Pfeile auf Lolas TARDIS (die verschwand dann immer) und die monströsen Brüste der anwesenden Fetischladies zu schießen, bis sie mich unter reichlich undamenhaften Flüchen zur Hölle wünschten (also etwa fünf Minuten). Zufrieden ging ich offline.

    Tag 3 – Wie in alten Zeiten und ein neuer Bogen.
    Ich hatte jetzt schon das zweite Buch gelesen. Der Schreibstil hatte sich meiner Meinung nach verbessert, schnell runtergerissen war der Roman trotzdem. Die Beschreibung der Mine hatte mich allerdings mal so richtig beeindruckt.
    Ein paar Texturen hatte ich auch fertig – ist nicht wirklich Raketenwissenschaft wenn es nur um Holz oder Mauerwerk geht. Diese schnappte ich mir also und trabte gen Fort. Dort traf ich Griff, der gerade am Basteln war und meine Spende generös entgegen nahm. Er führte mich herum und einmal mehr gefiel mir dieses „dark and dirty“-Flair, das durch die Gor-Sims, die ich bisher gesehen hatte (alle beide!) waberte.
    Es trafen noch drei Leute ein, eine davon eine weibliche Kämpferin. Ich überlegte, ob mich das störte, doch erstens hatte ich erst zwei von fast dreißig Büchern durch (wer weiß, ob da nicht noch eine Frau vorkommt, die nicht als vollständig lebensuntüchtige hysterische Pute geschildert wird, die nach harter männlicher Hand lechzt?) und zweitens – wenn Norman nie ein goreanisches Klo beschreibt, pinkeln die Leute dann deshalb zwangsläufig auf die Straße? Es ergab sich etwas RP und ich begann, Zastas Background ein wenig Fleisch zu geben. Es gibt (zumindest laut Info-Notecards) Scribes, die nicht nur im Elfenbeinturm sitzen, sondern auch herumziehen und Wissen sammeln und pflegen. Das hörte sich gut an und wurde verwurstet. Aber wo kam er ursprünglich her? Das wollte noch ausgedacht werden und wurde deshalb im RP schön vage behalten. Viel gesagt habe ich eh nicht – das traute ich mich noch nicht wirklich. Ich begann mich ein wenig wie in alten Ultima-Online-Tagen auf einem guten RP-Shard zu fühlen. Wunderbar.
    Und dann wurde es noch mehr wie früher. Indem ich nämlich meine ersten Panthermädels sah. Beziehungsweise irre Furien in knappem Pelz einfach mal so auf die Sim strömten und reichlich emotefrei alles umbolzten, was herumstand. Sehr nostalgisch – zehn Minuten Kampf und dreißig Minuten darüber streiten wer denn nun wie OOC gewesen war (erschwert dadurch, dass manche der Panther nur italienisch sprachen und ein Übersetzungstool benutzten, das alles in elegantestes Yodasprech verwandelte. „Von RP keine Ahnung du hast!“). Ich war hingerissen. Griff versicherte mir, dass das nun wirklich nicht die Regel sei, aber ich verabschiedete mich dann doch recht bald. Ich wollte noch einen neuen Bogen kaufen.
    Der GIC-freebie-Bogen sieht sehr passend aus, aber ich hätte gern etwas, das weniger traditionell rüberkam. Im RL schieße ich eine Martin Mamba (die alte 58’’, nicht den neuen Take-down) und finde sie sehr ästhetisch. Deshalb sollte es ein Recurve sein. Bei Primus Weapons fand ich einen Reiterbogen, der meinen Vorstellungen entsprach, besonders die Fledges waren wunderschön gemacht.
    Mittlerweile fühlte ich mich wirklich angemessen ausgestattet und hatte von Griff auch ein Armband mit Twinblade-Logo bekommen, das man in Kastenfarben umwandeln konnte. Mutig setzte ich die Farbe auf Blau.
    So nett ich die Twinblades auch fand wollte ich mich doch auch nebenher weiterhin in der Gor-SL-Welt umsehen, denn immer nur mit den selben Leuten herumhängen will schließlich niemand. Und ich bin zwar im Englischen recht fit, doch immer nur mit Engländern oder Amerikanern zu spielen ist schon allein wegen des Zeitunterschieds problematisch. Ich beschloss, mir an meinem nächsten SL-Abend das GIC genauer zu Gemüte zu führen.

    Tag 4 – Die Matrjoschka-Subkultur und Errol Flynn.
    Ein paar Tage später hatte ich wieder etwas Zeit, ein wenig in SL herumzuwandern. Ich hatte mittlerweile einige Foren besichtigt und den Eindruck gewonnen, dass es wirklich nicht einfach werden würde, in die schon seit Jahren gewachsenen Strukturen hineinzukommen. Jeder schien jeden zu kennen und mich beschlich das vage Gefühl, jemanden zu finden, mit dem man auf Deutsch würde RP haben können (also längerfristigeres RP, nicht nur kurze Zufallsbegegnungen), würde doch etwas komplexer werden.
    Weitere beiläufige Streifzüge im Internet hatten auch herausgebracht, dass Gor wohl einiges an freiwilliger Ghettoisierung zu bieten hat – es herrschten nicht nur freundliche bis bissige Grabenkämpfe über die rechten Interpretationen des Norman´schen Wortes, sondern es schienen auch etliche Gruppen ihr eigenes Süppchen zu kochen. Von ganzen Horden wild marodierender Panther bis zu Piratenansammlungen war alles vertreten, was grob passte und Spaß machte. Ich war kurzfristig versucht, mir sogenanntes „Gay Gor“ in SL einmal anzusehen, doch hielt mich dann die Überlegung davon ab, dass erstens der durchschnittliche 175er genauso viel Drama produzieren kann wie jede Hete und ich zweitens das Gefühl hatte, das letzte was ich hören würde wäre „You sure got a pretty mouth“ bevor ich andererleuts Lotusse besser kennen lernen würde als mir so ganz ohne „Dinner and movie date“ lieb wäre – vermutlich eine boshafte Fehlinterpretation meinerseits, aber ich wollte erst einmal nicht gleich am Anfang Splittergruppen in einer Subkultur finden.
    Irgendwie schien es mir doch viel versprechender, erst einmal das eher werkgetreue Gor zu erkunden und deshalb besuchte ich das GIC. Jede Menge Schilder, Hinweise und die unvermeidlichen Notecard-Stapel – aber schick in dörflichem Flair verpackt, das gefiel mir. Ich pickte mir die Rosinen aus dem Kuchen und nahm nur die Notecards, die ich wirklich direkt brauchte. Den Rest von Gor wollte ich lieber durch die Bücher (ich war mittlerweile bei Band fünf angekommen) und im RP selbst kennen lernen. Viele der inserierten Sims sahen auf ihren Werbetafeln auch sehr attraktiv aus und ich merkte mir die schönsten um sie in den nächsten Tagen zu besuchen.
    An diesem Abend wollte ich überprüfen, ob die Entscheidung für Gor, die doch gar so zufällig getroffen worden war, denn wirklich die richtige war und nachsehen, ob auch andere Mütter schöne Söhne haben. Dies tat ich, indem ich verschiedene Fantasy-RP-Welten in SL besichtigte und mich mal mit Visitor-Tag unters Volk mischte. Schnell zeigte sich: Das ist ja alles ganz gut und schön – aber so verflixt sauber, anständig und wie geleckt! Ich kam mir vor wie in einem 60er-Jahre-Hollywood-versus-Arthussage-Streifen und stand mit meinem dreckig blau-grau-braunen „unzivilisierten“ Outfit zwischen hübschen Männlein mit langen Locken und Strumpfhosen (dramatization). Die Leute waren zum großen Teil auch sehr nett, aber ich fühlte mich einfach nicht wohl mit all den adretten Blumengärtchen und (zugegebenermaßen hübschen) Zauberwäldern samt Einhörnern. Es schien, als sei die meist barbarisch-wüste low-fantasy-low-fantasy-Welt von Gor doch eher meine Kragenweite. Es muss nicht immer brutal und darwinistisch sein, aber ein konstantes Gefühl von Bedrohung ganz hinten im Kopf kickt doch. Mittlerweile habe ich gelesen, dass es wohl eine DSA-Sim gibt, die will auf jeden Fall besucht werden – als Al´Anfaner Ex-Gladiator oder so....
    Vielleicht gibt es ja auch tatsächlich noch Fantasy-RPs in SL die mir Spaß machen und meinen vage formulierten aber strengen Kriterien entsprechen, aber zunächst scheint es wohl in der Tat Gor zu sein, an dem ich hängen bleibe.
    So war ich mit der Erkenntnis zufrieden, schon beim ersten Zufallstest etwas gefunden zu haben, was mir gefallen können würde und nahm mir vor, an meinem nächsten Onlinetag zuerst einmal in die Wüste zu reisen.
     
  3. Zasta Korobase

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    Mittlerweile sind noch ein paar Tage vergangen und ich habe weitere faszinierende Dinge erlebt. Aufgeschrieben habe ich sie allerdings noch nicht...kommt vielleicht noch.
     
  4. Sehr interessante Betrachtungsweise und ein toller Schreibstil.Ich freue mich auf die Fortsetzung.

    Gruss Beo
     
  5. Syleena Sheridan

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    Hi Zasta, wow, das ist mal ein toller Bericht über die Anfänge in Gor.

    Den Beitrag finde ich unheimlich gut geschrieben und auch informativ (mal für mich wegen der Schilderflut im GIC....dachte eigentlich das wäre schön übersichtlich, Blickfänge und so halt..naja, egal *g*)

    Mein Lieblingssatz aus Deinem ersten Beitrag:
    "Als ich später meinem Freund von meinen Erlebnissen erzählte, reagierte der eher unbegeistert. Er warnte mich, diese Gor-Leute wären eine ganz komische Truppe, er hätte da in SL bisher immer nur Typen getroffen, denen das „Mommy says I´m special!“ praktisch auf die Stirn tätowiert sei. "

    Tja Zasta, wie im echten Leben und im restlichen SL gibt es gute und schlechte Rollenspieler, welche die buchnach spielen oder ihr eigenes Ding machen....Nicht alles wo Gor drauf steht ist auch Gor drin...leider. Aber ich finde es toll, das Du Dir die Mühe machst und weitersuchst. Wie Du ja festgestellt hast: es gibt auch sehr nette Leute, die gern weiterhelfen.

    Weiter so
     
  6. Haron Strom

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    Ich kann mich Beo nur anschliessen.
    Es ist nicht immer leicht, solch langen Berichten zu folgen.
    Dieser liest sich wie ein Roman.

    Auch ich freue mich auf die Fortsetzung

    Haron
     
  7. Kila Shan

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    Auch für Nicht Goreaner prima zu lesen, ist amüsant und unterhaltsam wie du schreibst.

    Und herzlich Willkommen im Forum, hier findest du eine große Zahl an diskussionsfreudigen Goreanern. :-D
     
  8. Felida Raleigh

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    Deine Schreibe ist einfach genial!!! Super.

    Mir wurde ja von mehreren Bekannten angeboten, mich auf Fantasy-Sims niederzulassen, da ginge es "humaner" zu als auf Gor. Schlechte Erfahrungen habe ich ja zur Genüge gemacht. Aber Vampire, Elfen etc. sind nun nicht so ganz mein Ding. Wobei Mittelalter ja ok wäre (mache ich schließlich auch in RL), aber da was zu finden ohne Vampire etc. ist fast nicht möglich.

    Also bleibe ich wohl auf Gor... Wenn's einen mal gepackt hast, ist es schwierig, wieder davon loszukommen, genauso wie von meiner MA-Begeisterung in RL ... Achtung: Suchtgefahr!!!
     
  9. viola Baxter

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    Holla ? Wer hat mich gerufen ? :)

    ich finde auch das es ein sehr lesenswerter Beitrag ist, auch wenn du scheinbar auf merkwürdige Vertreter gestoßen bist. Ich hab noch nie xcite oder sonstige attachments benutzt auf gor, das nur als ein beispiel ;-)

    Auf der anderen Seite sehe ich es heute so, das du nicht die SIM finden musst, die am meisten by the Books spielt, sondern einfach die, die dir am meisten Spaß macht.

    Ich wunsche dir dabei viel Erfolg, ich finde es toll wenn neue Leute soviel energie und wortgewandtheit mitbringen, obendrein noch rp erfahren sind.

    Vielleicht triffst du ja wirklich mal auf die waldfee :)
     
  10. Zelmo Boucher

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    Da muss man aufpassen als Newbie. Ich hab als Newbie auch mal die Waldfee getroffen. Das kann posttraumatische Ereignisse nach sich ziehen.
     
  11. MarieLena Messmer

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    Ein toller Beitrag; sehr kurzweilig und interessant.

    Gruß
    Lena
     
  12. Judy Baxter

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    nanana, Kerl.
    Ein bissle was muss das Boot schon abkönnen. Ausserdem, wer ein richtiger Kerl werden will der muss da durch. War das nicht bei der legendären Schlacht auf Pantherridge?
    Naja, dann kann ich das nachvollziehen :D

    Judy
     
  13. viola Baxter

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    Nee, zelmo und ich hatten unser ähm Erlebnis noch lange vor der Schlacht. Ich konnte gar nichts dazu, er ist mir in den pfeil gerannt, ehrlich :)

    ich finde BTW auch, das unser neuling einen sehr ähnlichen schreibstil hat wie zelma .-)
     
  14. Kazi Kaligawa

    Kazi Kaligawa Aktiver Nutzer

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    Hey Zasta,

    echt super toll geschrieben. An Dir is ein richtiger Autor verloren gegangen (oder vielleicht wird er noch gefunden?). Deine Erfahrungen treffen Gor in SL eigentlich ganz gut. Soweit ich das sagen kann. Ich finds super, dass Du das Alles mit so viel Humor und Gelassenheit siehst. :)

    Meine Lieblingsstelle:

    Lach...geil. :lol:

    Ich bin ja zur Zeit selten in Gor unterwegs, aber das hier werd ich auf jeden Fall weiter verfolgen. :)

    LG
     
  15. Zelmo Boucher

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    Ich sage dazu nur, so weit ich mich an diesen grausamen Vorfall erinnere, ohne eine Art Vietnam-Flashback zu erleiden: Ries, Suca und ich lagen im Sand, und Ries wurde ein Kratzer am Kopf auf so eine ganz bestimmte Art und Weise desinfiziert, dass ich mich eher noch nachträglich bedanken kann, recht schnell von Vio nach Panther-Ridge verschleppt worden zu sein, bevor man an meinem Kopf auch noch einen Kratzer entdeckte. Den Namen dieser halbnackten Krankenschwester habe ich mir nicht gemerkt. Auch nicht, wie sie aussah bzw die Haarfarbe, weil ich zu schockiert war über das, was dem armen Ries widerfuhr. Man könnte aber sicher trotzdem mutmaßen, wer das wohl gewesen sein könnte ;-)

    Aber geschrieben sind die ausführlichen Erlebnisse von Zasta wirklich respektabel.
     
  16. Haron Strom

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    Dann will ich mal dezent auf die Pilgerreise hinweisen.
    Gerade für jemanden, für den RP kein Fremdwort ist, eine gute Möglichkeit das deutsche Gor zu erkunden.

    Haron
     
  17. Zasta Korobase

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    Vielen Dank für das positive Feedback! Das freut mich wirklich. :)
    @ Haron: Mein nächster Beitrag sollte Dir dann ganz gut gefallen. ;)


    Tag 5 – Masa al-chair, Bibliothek! und die Pilgerin.
    Zwar war ich bisher in Sachen Romanen noch nicht wirklich in den Gor´schen Wüstengebieten angekommen, aber nichtsdestotrotz wollte ich Deutsch-Gor von der Düne aus aufrollen. Ein komisches Gefühl in der Magengegend ließ sich zwar wie immer, wenn man von Europäern/Amerikanern gestaltete „Orientkultur“ besichtigen wollte (seien es die Novadi bei DSA oder die halbgare Umsetzung der Nizariten in Vampire Dark Ages; von dem weltanschaulichen Desaster Assassin´s Creed gar nicht zu reden!), nicht vermeiden – aber ich wurde von der Oase positiv überrascht. Kein Disney-Mittlerer Osten, keine Dönerization und kein Versuch, sich an die muslimische Kultur anzubiedern! Leider auch kaum Bevölkerung.
    Einmal mehr schien mir meine exotische Onlinezeit einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen.
    Was mich besonders in die Oase gezogen hatte war die Beschreibung „große Bibliothek“ in der Search-Engine. Das hörte sich doch mal nach einem angemessenen Startpunkt für meinen angehenden Scribe an. Und wenn man dann vor lauter Bildung nicht mehr geradeaus gehen konnte, bot sich ein Zoo zur Entspannung an. Sicherlich würde sich noch ein Erdbeereis auftreiben lassen und der Ausflug wäre perfekt.
    Die Bibliothek war wirklich umfassend – wieder einmal ergoss sich ein warmer Notecard-Regen in mein Inventar. Zwar waren auch hier die Ladezeiten immens, aber das ist bekanntermaßen ein SL-Phänomen, das einem jederzeit und überall begegnen kann und in kaum einem Zusammenhang mit Population oder Gegenstandsdichte zu stehen scheint.
    In der Annahme, dass kein Gemeinwesen auf Gor ortsfremde Bewaffnete mit besonders warmen Gefühlen bedenkt, hatte ich meinen Bogen gar nicht erst angelegt und fühlte mich toll (ich bin ganz ein großer Einschätzer!), als dann tatsächlich ein entsprechendes Entwaffnen-Emote von der NSC-Wache kam. Den Dolch am Gürtel stufte ich allerdings in streng mittelalterlicher Manier eher als „Werkzeug“ ein.
    Ich schlenderte durch die Oase und traf leider auf keinerlei menschliches Leben. Doch als ich mich dem Tor näherte, sah ich auf der Minimap einen grünen Punkt. Natürlich sollte man im RP so ein Hilfsmittel nur mit der Kneifzange anfassen, aber da ich derzeit Mitspieler schwieriger zu entdecken fand als Waldo in einer Ikea-Stoffabteilung am Samstag Vormittag, konnte ich die Map problemlos vor mir rechtfertigen.
    Der grüne Punkt war recht stationär und mitten in den Dünen. Ich bemerkte, dass ich vergessen hatte, den Bogen wieder anzulegen...Pech gehabt, sollte das Wesen nicht freundlich sein. Obwohl mir das Schießholz auch nur begrenzt etwas nützen würde – in SL ist Bogenschiessen eine Übung, die mit der Realität ungefähr so viel zu tun hat, wie der Bizepsumfang der meisten Avatare mit dem ihrer Herrchen. Soll heißen: Ich beherrsche das aufgescheuchte Rumgerenne, das anscheinend obligatorisch ist, nicht im Geringsten und fresse deshalb so schnell Schaden, dass ich nur mit tränenerfüllten Augen zusehen kann, wie der rote Ball innerhalb von Sekunden erscheint. Ich spiele definitiv zu wenig Ballerspiele. Also eigentlich gar nicht. Meine Reflexe ähneln denen einer Wanderdüne, in WoW habe ich Tank-Paladin gespielt weil ich so ein Bewegungslegastheniker bin. Ein absoluter Traumgegner!
    Doch der Punkt stellte sich als freie Frau heraus. In den Sand gepflanzt, ordentlich zuge-niqabt und meinem freundlich-neutralen Gruß gegenüber kalt und gleichgültig. Hatte ich irgendein ungeschriebenes Gor-Gesetz gebrochen? War ich peinlich angezogen oder roch nach Katzenfutter? Als auch nach dem zweiten Emote (ich hatte doch schon erwähnt, dass ich alles be-emote?) keine Reaktion kam, trottete ich leicht geknickt wieder von dannen und ging noch schnell den Zoo betrachten – immerhin war es kurz vor neun und damit nahe an meiner Offlinezeit.
    Beim Sleenkäfig erreichte mich eine IM. Von der Frau aus dem Sandmeer. Sie entschuldigte sich und erklärte, ganz neu zu sein und sich dorthin zurückgezogen zu haben, um Notecards zu lesen (das erschien mir nachvollziehbar). Wir unterhielten uns ein wenig, tauschten Erfahrungen aus und da sie in Sachen RP wohl sehr schüchtern war, bot ich ihr an, ihr zur Seite zu stehen – zwei Leute sind schon ein kleines RP-Gravitationszentrum, das auf einem Marktplatz dann andere anziehen kann. Sie nahm begeistert an und wir vereinbarten, uns so bald als möglich gemeinsam auf den Weg zu machen.
    Und ich bekam noch einen mehr als sinnvollen Tip: Es gäbe da solche Pilgertische, an denen man einen Stab bekommen könne, der einem eine Pilgerreise zu den Sardar ermöglichen würde, quer über etliche deutsche Gor-Sims. Das hörte sich großartig an, genau so etwas hatte ich gesucht! Ich bedankte mich, freute mich auf den Beginn unserer gemeinsamen Pilgerreise und ging offline.
    Ich hatte allerdings kein Erdbeereis gefunden.
     
  18. Cryogen Crimson

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    Auch für einen Nichtgoreaner sind deine Beiträge köstlich und lesenswert!
    *reicht ein Erdbeereis rüber*
     
  19. viola Baxter

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    Ja ganz toll und amüsant, finde ich auch :)
     
  20. Felida Raleigh

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    Wahrscheinlich gibt es auf diesem barbarischen Planeten keine Erdbeeren...
    /me versteckt ihr Eis ganz schnell unter dem Schreibtisch, bevor irgendein goreanischer Herr da meint, das sei nichts für eine kajira...