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Rollenspiel - nur ein tun, als ob?

Dieses Thema im Forum "Sozialwissenschaft & Gesellschaft" wurde erstellt von Mascha Petrova, 8. Februar 2009.

  1. Shirley Iuga

    Shirley Iuga Forumsgott/göttin

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    Charakter = wichtige Rolle mit deutlicher Persönlichkeit ("Charakterrolle") in einem Theaterstück, oder eben ein "Held" in einem Rollenspiel, das gibts so auch im deutschen.

    Aber zum eigentlichen:
    Nja, wenn es einen Kampf gibt, dann kann es passieren, dass einer der Spieler dabei stirbt. Normal passiert das nicht so ohne weiteres, aber wer nun vor den berühmten goldenen Drachen steht und ihm aufs Frühstück pinkelt muss nun mal damit rechnen ein wenig geröstet und gegrillt zu werden, da hilft dann auch keine Heilsalbe mehr was. Dann muss ein Spieler eben "neu Anfangen" mit einem neuen Charakter, weil er zuviel riskiert hat. Aber er kann jederzeit wieder neu einsteigen ins Spiel.

    Sollten die Spieler im Spiel morden, so müssen sie eben mit der Konsequenz leben (Nachforschungen, Verhaftung, Verurteilung und Strafe + eventuell Racheakte). Und ungewöhnliche Mordlust und Freue am Blutvergiessen um des Blutvergiessens willen ruft normal die Götter oder aber die Polizei auf den Plan.
    (Bei so einer Aktion wie in dem RP, um das sich Gor grad zofft (das mit dem Bauch, und dem Herz und so...diese eklige Szene), da hätte in meiner Spielrunde wohl irgendein Gott eingegriffen und einen Stein aus der Decke gelöst oder die Polizei hätte da wen gejagt und mit Sicherheit auch verhaftet und in die Psychiatrie gesteckt...je nach dem.)


    Und ich persönlich halte Sklavenhaltung in der Form, wie sie in Gor (mal wieder stellvertrend erwähnt) herrscht, bei der ein Mensch mehr oder weniger auf den Wert eines Tieres (wenn überhaupt) reduziert wird und nur noch eine "Sache" darstellt, eben nun mal für unethischer und "schlimmer", als einen Feind im Kampf zu besiegen und ihn zu töten. Einen Gegner kann man, auch wenn man ihn letztendlich getötet hat, noch immer achten und respektieren. Das ist beim Sklaven nicht mehr der Fall, nicht in einem Rollenspiel, in dem man Gegner einfängt und misshandelt und wie ein Tier behandelt.

    Oder um es in Theaterstücken auszudrücken:
    Ich hätte kein Problem damit, als Schauspieler den Macbeth zu spielen oder so ein Stück zu inszenieren.
    Aber ich würde mich wohl weigern, einen von Normans Romanen oder "die 120 Tage von Sodom" von de Sade als textnahes, unkritisches oder gar verherrlichendes Theaterstück aufzuführen oder bei sowas mitzuspielen.

    Und nicht, weil ich Angst habe, dass man da wegen des Spielens einer Rolle im RL verroht, sondern weil durch das Setting einfach eine Philosophie und eine Weltsicht nach außen verbreitet wird, die ich nicht gutheißen kann. Auch wenn das nur ein Spiel ist, so transportiert das Spiel trotzdem auch eine Botschaft, z.B. ein "so eine Welt ist auch möglich und kann auch toll sein".


    Wenn jemand sowas spielen will, dann soll er das ruhig machen mit Leuten, die da kein Problem mit haben, das ist mir dann relativ wurscht.
    Aber nicht mit mir, nicht in meiner Rollenspielrunde und nicht in meiner Wohnung (und in SL nicht auf meinem Land).
     
  2. Mascha Petrova

    Mascha Petrova Freund/in des Forums

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    Nein, in meinen Threads habe ich das so nicht gemeint, eher fast schon umgekehrt.
     
  3. Mania Littlething

    Mania Littlething Superstar

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    Definitiv nein! Das kommt ganz auf die Person an mit der ich spiele. RP ist eben nicht nur "so tun als ob", zumindest für mich nicht. Wäre es so das ich völlig gefühls- und teilnahmslos alles machen kann weil es ja eh nicht echt ist, dann hätte es überhaupt keinen Reiz. Ein richtiges RP, mit dem richtigen Partner ist eben nicht nur "so tun als ob", sondern ein durchleben bzw erleben einer Szene, in die sehr viele ECHTE Emotionen einfliessen.

    Bei einem RP gibt man teilweise sehr viel von sich preis (von Ritter&Drachen-Spielen vielleicht mal abgesehen). Je extremer die Szene, desto tiefer schaut man sich gegenseitig in die Seele. Deswegen gibt es für mich auch defintiv Grenzen wie weit ich mit jemandem gehen kann. Diese Grenzen verschieben sich aber ständig, abhängig von Partner, Stimmung und Situation. Je besser ich jemanden kenne und ihm vertraue, desto weiter kann ich mich öffnen. Wenn vollstes Vertrauen da ist, gibt es auch keine limits mehr und das sind dann die schönsten und intimsten Momente die man sich vorstellen kann.

    Nun muss ich dazu sagen das ich ein Mensch bin der sich sehr tief in sowas hinein versetzen kann. Es ist für mich nicht wie ein Film sondern auf gedanklicher Ebene ein fast schon reales Ereignis - wenn ich es an mich heran lasse. Das geht aber lange nicht mit jedem. Ich habe zum Glück jemanden getroffen der sich in sowas genauso tief reinversetzen kann wie ich und unsere Fantasien sich sehr gut treffen. Das hat im besten Fall zu Momenten des absoluten Glücks und der absoluten Vertrautheit geführt, und im schlechtesten zu stundenlangen Heulkrämpfen - es ist eben auch gefährlich mit soviel Gefühlen zu spielen und es geht nicht immer gut.

    Aber gerade dieser Tanz auf der Klinge, zwischen den Emotionen, macht für mich den Reiz aus.

    Das kann aber sicherlich nicht jeder. Was aber nicht heisst das derjenige keine Fantasie hat. Es ist vielleicht sogar eine etwas abstrakte Fähigkeit seine Gefühle in etwas hineinzuversetzen was sich auf einem Monitor abspielt. Übrigens konnte ich mir selbst sowas nie vorstellen vorher, bis ich mich mal "richtig" darauf eingelassen habe. Da gehört schon was dazu - man muss erstmal bisschen über seinen Schatten springen weil man am Anfang Angst hat sich zum Idioten zu machen, man muss erstmal aus sich raus kommen können. Und das ist - um den Kreis zu schliessen - wie gesagt, auch immer eine Sache des Partners ;-)

    lg
    Mania
     
  4. Judy Baxter

    Judy Baxter Superstar

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    Hallo Mascha,
    nur so ein tun als ob? Sehr schwierige Frage. Bei mir ist das etwas schwieriger. Glaube ich. Ich spiele ein Panthermädchen in den Wäldern von Gor. Obwohl ich den Autor als einen pubertierenden alten geilen Sack halte, welcher vermutlich im Leben was Frauen angeht zu kurz gekommen ist und sich eine andere Welt ausgedacht hat. Ich habe vorher nie ein Rollenspiel, oder sonst ein Computerspiel gespielt. Trotzdem bin ich da irgendwie drin gelandet. Es ist auch so, wenn ich im RL vor die gleichen Entscheidungen gestellt wäre, würde ich genauso entscheiden wie im RP. Wenn ich genauer drüber nachdenke, kann ich erschreckend viele Gemeinsamkeiten zwischen meiner Rolle im Spiel und meiner "Rolle" im RL ausmachen. Ich habe schon mit dem Bogen Truthähne gejagt. Die sind so aufgeplustert wie die Kerls in Gor. Ich trage im RL ein Messer am Gürtel. Gut, keinen Dolch wie im RP. Du wirst lachen, mir ist schon in RL ein: "Den Priestern sei Dank" herausgerutscht. Ich bin im RP bereit, um meine Freiheit zu kämpfen. Mich zu wehren. Vor ca 10 Jahren, war ich in einer Situation, wo ich mir sicher war, hier kommst Du nicht mehr lebend heraus. Ich war mit ner Gruppe in Hamburg und morgens um 5 unterwegs Richtung Fischmarkt. Durch trödeln hatte ich die Gruppe verloren und ich wurde von drei Jungs abgepasst. Aus einem EU Anwärterland. Sie haben sich einen Spass draus gemacht mich aufzuziehen, ich bin nicht sonderlich groß. Ich bin dann einfach weitergegangen, zwei haben mich in die Mitte genommen, der dritte war hinter mir. Das hat mir Angst gemacht, da ich den nicht sehen konnte. Ich kann heute noch seine Schritte hintermir hören. Alle zwei Köpfe größer und Ihr "Anführer" hat mir klargemacht, dass es nicht gut wäre wenn eine wie ich um diese Zeit hier alleine unterwegs wäre, da könnten schlimme Dinge passieren. Dabei hat er mir meine Mütze vom Kopf geholt und selber aufgesetzt. Er sagte, sie würden mich jetzt aufmischen. So leid es Ihm täte, Sie müssten das tun. Ich habe dann blitzschnell zugegriffen, und meine Mütze zurückgeholt. In meiner Verzweiflung habe ich ihn angeschrien, dass er das größte Ar...loch wäre das mir je begegnet wäre und ihm vielleicht ein Unglück passieren könnte. Wir sind dann ca 100m schweigsam weitergelaufen. Mir war klar, irgendwas wird passieren, und wie es ausgeht war mir auch klar. Das wirklich schlimme daran war, ich war mir sicher hier bleibt einer auf der Strecke. Ich hatte mir bereits die Stelle unterhalb seinem Ohr ausgesucht wo ich hinstechen würde. In seine Halsschlagader. Das ist kein witz was ich hier schreibe, Ich war mir sicher, es gibt nur noch diesen einen weg wie ich hier lebend rauskomme. Ich war bereit, einen Menschen zu töten. Ich habe nur diese einzige Chance gesehen, da lebend rauszukommen. Der neben mir hat vermutlich gespürt, dass irgendwas danebenläuft. Nach ner Weile sagt er zu mir, ich könnte heute Geburtstag feiern. Weil heute mein Glückstag wäre und sie mich laufen lassen würden. Dann hat er sich umgedreht, was gesagt und sie sind weg. Ich habe zwei Nächte nicht geschlafen daraufhin. Ich war total fertig. Nicht wegen den drei Kerls. Wegen mir. Verstehst Du, ich hätte zugestochen, wenn der Kerl irgendwas gemacht hätte. Nicht so fiktiv wie im RP, ich weiss ich hätte es gemacht. Glaube mir, ich bin heilfroh, dass es so ausgegangen ist. Ich denke, man spielt immer mehr oder weniger die Rolle im RP welche irgendwie an sein reales Leben angelehnt ist. Wobei, je besser der Rollenspieler als Spieler ansich ist, deste größer kann dieser Abstand zwischen dem RL ich und dem SL ich sein. Ich glaube auch, dass so ein Rollenspiel, durchaus auch ins RL wirken kann. Diese Judy, ist irgendwie ein Teil von mir geworden. Sie denkt wie ich, oder ich denke wie sie. Bei der Arbeit, denke ich an Judy. Es ist schon besser geworden. Mittlerweile, kann ich einige Tage Judy schlafen lassen. Dann aber freue ich mich wieder bis Judy wieder aufwacht.

    Judy