Atrista gähnte laut und herzhaft. Sie streckte ihre Arme weit von sich und reckte den Oberkörper in alle Richtungen. Seit Tagen war sie nicht mehr aus dem Sanctum gekommen. Eine Meldung jagte die Andere und immer wieder mussten andere Überlegungen angestellt werden. Ihre Freundin, die Königin hatte die politischen Aufgaben übernommen. Amelie war auf Dienstreise. Reihum besuchte sie die befreundeten Völker. Geschickt wurden besondere Anlässe ausgesucht um die Besuche zu begründen. In aller Vorsicht wollten die Amazonen die Freundschaften erneuern oder bekräftigen. Man weiß nie ob man in diesen Tagen nicht auf die Hilfe der Freunde angewiesen sein wird. Amelie und Atrista schmiedeten heimlich die Allianzen um in einem eventuellen Konflikt mit einem unbekannten Feind gut gerüstet zu sein. Die Signale waren bis jetzt durchweg positiv. Lediglich die Zusammenarbeit mit den Elfen gestaltete sich schwierig und zäh. Das Neutralitätsversprechen das Atrista der Elfe Xiue mit auf den Weg gegeben hatte erwies sich jetzt als hinderlich. Atrista hatte den Elfen, nachdem die Missverständnisse ausgeräumt waren, zugesagt, dass die Amazonen nicht in das Elfenland vordringen würden. Aber genau dies war jetzt notwendig. Atrista hoffte, dass die beiden Späherinnen die sie als Boten losgeschickt hatten es schafften bis zur Königin der Elfen vorzudringen. Sie war von Stunde zu Stunde überzeugter davon, dass sich der gemeinsame Feind schon längst dort befand um nach Junn zu suchen. Diese Warterei machte sie wahnsinnig.
Das rascheln der Blätter des immergrünen Efeus welches den Eingang zum Sanctum zierte lies sie ihre Gedanken unterbrechen. Atrista schaute auf und sah Tarna die Anführerin der Späher dort stehen. Beim Anblick der Frau huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Tarna hatte sich gut entwickelt, sie war zu einer echten Persönlichkeit herangereift und war eine anerkannte Anführerin geworden. Die Späher vertrauten ihr und respektierten sie. Die stattliche Frau war eine echte Vorzeigeamazone und Atrista beglückwünschte sich selbst zu dieser Wahl. Der dicke Fellumhang den Tarna trug erinnerte Atrista daran, dass es draußen bitterkalt geworden war.
Tarna machte eine grüßende Handbewegung: „Kala Arbitra, ich habe Nachrichten von der Grenze, gute Nachrichten.“ Tarna reichte den Zettel rüber. Atrista deutete auf einen Stuhl: „setz dich doch und nimm dir einen Becher heißen Kaffee der wird dir gut tun.“ Sie lies sich die Erregung über neue Nachrichten nicht anmerken und nahm scheinbar gelassen den Zettel entgegen. „Es ist übrigens Kaffee von Mascha, die Gute versorgt mich hier rührend, dieser Kaffee weckt Tote auf.“
Atrista las den Zettel der mit dem speziellen Zeichen der Späherin Leo-nie autorisiert war und runzelte die Stirn. Sie wartete bis Tarna ein paar Schlucke aus dem dampfenden Becher genommen hatte. „Das nennst du gute Nachrichten?“ Atrista sah wie Tarna sie verständnislos, beinahe enttäuscht anschaute, beugte sich zu der Amazone rüber und flüsterte: „ich mache mir keine Sorgen um Sandy, solange sie Spuren hinterlässt lebt sie und sie weiß sehr gut wie man sich alleine durchschlägt. Ich mache mir Sorgen, weil ich noch nichts darüber lese dass unsere Boten bei den Elfen angekommen sind.“ Atrista legte eine Hand auf den Arm der Späherin. „Verstehst du? Es ist sehr wichtig, dass unsere Warnung die Königin und nur die Königin erreicht. Die Botschaft muss unauffällig durch das Land geschleust werden. Sie muss wissen warum unsere Krieger an der Grenze zum Elfenland postiert sind und sie muss wissen warum unsere Späher manchmal die Grenze überschreiten, sie muss wissen dass ihr Gefahr droht aus dem Inneren ihres eigenen Landes. Wir können uns keine weiteren Missverständnisse mehr leisten.“ Nach einer bedeutungsvollen Pause fügte sie hinzu: „schicke eine Botschaft an Leonie. Sie soll auf dem Weg zur Königin möglichst viele Erkenntnisse sammeln über diese Schatten von denen da immer wieder berichtet wird. Ich will endlich wissen wer unser Feind ist“
Tarna nickte stumm und überlegte. „Verzeihung Arbitra, selbstverständ-lich hat der Konflikt auch in meinen Augen eine hohe Bedeutung aber ich habe mir eben Sorgen gemacht um meine Späherin und Stellvertreterin.“ Atrista schaute Tarna lange in die Augen. „Vertraue mir, die Göttin hat mir Fähigkeiten gegeben über die ich nicht sprechen kann, aber ich weiß, dass Sandy lebt. Was ich jetzt brauche sind dringend Nachrichten von den Elfen.“
Tarna stand auf und schaute Atrista an. Vielleicht ist doch wahr was man über diese Frau an den Lagerfeuer erzählt, dachte sie, Amelie und Atrista sollen Unsterbliche sein, Kinder der Göttin Pallas und mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet. Wie alt ist die Arbitra in Wirklichkeit? Laut sagte sie zu Atrista gewand: „ich werde eine Nachricht an meine Schwestern abschicken. Auch ich möchte endlich verwertbare Meldungen haben, diese Warterei ist kaum zum Aushalten.“ Mit einem stummen Gruß verschwand Tarna wieder draußen in der Kälte.
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