Nach einigen Wochen des Beobachtens und Mitspielens habe ich mir meine eigene Meinung zu dem Thema gebildet.
Ich finde, dass es im Rollenspiel Gor oft an einem gemeinsamen Fokus fehlt. Es gibt Spieler, die ihr eigenes Drehbuch durchziehen, ohne Rücksicht auf die Dynamik der Gruppe oder die Welt um sie herum. Sei es der Schmied, der plötzlich effektiv in die höhere Kaste wechselt, oder die Barbarin, die nur auftaucht, wenn der Slaver da ist – solche Verhaltensweisen vermitteln anderen Spielern schnell das Gefühl, außen vor zu sein. Man wird dann eher als Statist betrachtet denn als gleichwertiger Teil der Geschichte.
Wenn mir so etwas öfter passiert, dann verliere ich tatsächlich die Lust. Besonders dann, wenn ich den Eindruck bekomme, dass ein Charakter ein Alt ist und dieser wieder nur im Mittelpunkt stehen will. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Alts – ich habe selbst einige und finde sie eine tolle Möglichkeit, verschiedene Facetten des Rollenspiels auszuprobieren. Aber ich finde es problematisch, wenn jemand auf Sim A dauerhaft mit einem Alt spielt und gleichzeitig auf einer anderen Sim, auch auf Gor, einen anderen Charakter, dabei aber nur die "Rosinen" herauspickt. Solche Spieler tauchen oft nur dann auf, wenn es für sie persönlich spannend oder vorteilhaft ist, ohne sich wirklich in die Dynamik der Gruppe einzubringen oder langfristig zur Entwicklung der Geschichte beizutragen. Ich habe sogar selber auf einer Sim zwei Chars über einige Wochen gespielt und es hat keinen der beiden weitergebracht, im Gegenteil.
Das unterstreicht für mich den Gedanken des "Fast-Food-Rollenspiels". Es wird schnell konsumiert, man sucht sich die besten Stücke heraus und zieht weiter – zurück bleibt jedoch ein leeres Gefühl. Es fehlt an Tiefe und an der Bereitschaft, sich wirklich auf eine Welt und eine Gemeinschaft einzulassen. Natürlich soll jeder spielen dürfen, wie er möchte, aber dieses Verhalten kann für andere Spieler frustrierend sein und ihnen das Gefühl geben, dass ihre eigenen Beiträge weniger wert sind oder nicht wirklich zählen.
Für mich lebt Rollenspiel von Engagement und dem Willen, gemeinsam Geschichten zu erzählen – nicht davon, sich nur kurz ins Rampenlicht zu stellen und dann wieder zu verschwinden. Es geht darum, Teil einer lebendigen Welt zu sein und diese aktiv mitzugestalten. Wenn wir uns darauf konzentrieren, entstehen nicht nur spannende Geschichten, sondern auch ein tieferes Gemeinschaftsgefühl und ein nachhaltigeres Spielerlebnis für alle Beteiligten.
Ich muss gestehen, dass mich noch etwas anderes zunehmend frustriert. Es ist entmutigend zu sehen, wie "mein" Spielpartner ständig von anderen Spielern in Beschlag genommen wird, sodass kaum noch Zeit für tiefgreifendes Rollenspiel zwischen uns bleibt. Oft fühlt es sich an, als würde unser RP nicht über oberflächliches Geplänkel hinauskommen, weil immer jemand dazwischenfunkt oder die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es ist, als ob wir in einem überfüllten Raum versuchen würden, ein wichtiges Gespräch zu führen, während ständig jemand dazwischenruft. Häufige Unterbrechungen und die Unfähigkeit, wirklich in eine Szene einzutauchen, rauben mir die Freude am Spiel. Ich sehne mich nach den Momenten, in denen wir uns wirklich auf unsere Charaktere und deren Entwicklung konzentrieren können. Es fühlt sich an, als würde uns die Möglichkeit genommen, unsere gemeinsame Geschichte zu vertiefen und weiterzuentwickeln.
Wenn ich ehrlich bin, sind es genau diese Punkte, die mich dazu bringen würden, das Rollenspiel zu verlassen. Die ständige Frustration, nur als Statist in den Geschichten anderer zu fungieren, die Oberflächlichkeit des "Fast-Food-Rollenspiels" und das Gefühl, dass mein Engagement und meine Bemühungen um Tiefe und Konsistenz nicht wertgeschätzt werden, zehren an meiner Motivation. Wenn ich merke, dass ich mehr Frust als Freude aus dem Spiel ziehe, dass die Gemeinschaft, nach der ich suche, nicht mehr existiert, und dass die Immersion, die für mich den Reiz des Rollenspiels ausmacht, ständig unterbrochen wird, dann ist es für mich an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.
Rollenspiel sollte bereichernd und erfüllend sein, nicht ermüdend und frustrierend. Wenn diese Balance nicht mehr stimmt, ist es vielleicht besser, neue Wege zu gehen und nach Umgebungen zu suchen, die meinen Vorstellungen von einem erfüllenden Rollenspiel besser entsprechen.