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Neuer Gesellschaftsentwurf - Ideensammlung und Diskussion

Dieses Thema im Forum "Sozialwissenschaft & Gesellschaft" wurde erstellt von Roya Congrejo, 22. November 2010.

  1. Roya Congrejo

    Roya Congrejo Moderatorin Mitarbeiter

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    Nachdem ja in vielen Beiträgen immer wieder ein grosses Unbehagen an den derzeitigen politischen Zuständen artikuliert wird (gepaart mit Ratlosigkeit wie man das denn ändern könnte), lasst uns doch mal darüber phantasieren, was wir gerne an unserer Gesellschaft ändern würden, wie wir uns eine bessere Gesellschaft vorstellen würden, und vielleicht auch überlegen - wie man denn dahin kommen könnte.

    Was wäre unsere bevorzugte Regierungsform, wie sollten Entscheidungen gefällt werden, was wären unsere Werte, Ziele und Ideale, aber auch: wie verhindert man Missbrauch (mal an Orwells "Farm der Tiere" denk). Haben Parteien noch einen Platz in unserer zukünftigen Gesellschaft - und wenn ja, welchen? Oder wollen wir eine mehr direkte Demokratie - a la Schweiz vielleicht?

    Was ist mit Datenschutz versus Pressefreiheit, wie stellen wir die Unabhängigkeit der Medien sicher? Oder wollen wir das garnicht? Wie würde ein nachhaltiges Wirtschaftssystem aufgebaut, falls wir weder einen ungezügelten Raubtierkapitalismus noch eine tote Planwirtschaft wie in den ehemaligen Ostblockstaaten wollen? Wie gehen wir mit global agierenden Riesenkonzernen um? Was passiert mit den Banken? Was mit der Bundeswehr? Wie halten wir es mit ökologischen Prinzipien und dem Klimaschutz, wie mit dem Artenschutz? Wie stehen wir zu Religionen, zu anderen Völkern und Kulturen...?

    Und vor allem: Wie kann man solche Veränderungen erreichen?

    Ich denke, wir müssen nicht alle Fragen beantworten, aber wenn Ihr Ideen dazu habt, dann her damit!

    ...

    Ich würde mir wünschen, dass die Diskussion konstruktiv und mit Respekt auch vor Meinungen geführt wird, die man nicht teilt - und ohne in die (zumindest in Talkshows) üblichen parteipolitischen Ressentiments zu verfallen.

    Ich weis ehrlich gesagt nicht, ob das in einem Forum überhaupt möglich ist. Vielleicht ist das Thema auch viel zu übergreifend formuliert. Aber wir müssen ja auch nicht alle Fragen beantworten und können es zumindest mal versuchen - ich bin gespannt was dabei herauskommt :)

    Lg Roya

    Nachtrag:Die Idee dazu kam hier: http://www.slinfo.de/vb_forum/slinfo-cafe/70210-google-street-view-eure-meinung-7.html?post1273511
     
  2. Mein alter Geschichtslehrer brachte bei solchen Diskussionen immer zwei Sätze:

    • "Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen." (Winston Churchill)
    • "Die Diktatur ist wie ein pfeilschnelles Rennboot im Wasser. Man rast über die Wellen nur so hinweg, kann aber einem Riff kaum ausweichen. Die Demokratie dagegen ist ein Floß, das zur Hälfte im Wasser ist und bei dem der Arsch nass wird, sie bewegt sich nur langsam voran, dafür aber sicher."
    Kurz und gut: für mich gibt es zur Demokratie als grundlegende Staatsform keine Alternative, nur ist das, was wir inzwischen in Deutschland und vielen europäischen Staaten haben nur noch bedingt eine Demokratie. Politikwissenschaftler sprechen da auch gerne von einer Postdemokratie.

    Werte, Ziele und Ideale sind im Grundgesetz doch prima drin, da muss man nicht viel dran feilen, das ist nach wie vor eine gute Grundlage für jeden modernen Staat.

    Was wegfallen müsste ist die zinsbasierte Wirtschaft. Das System führt langfristig in den Untergang, da es auf exponentiellem Wachstum basiert und muss dann sowieso zwangsweise durch etwas anderes ersetzt werden. Es gibt ja Wirtschaftswissenschaftler, die den Zusammenbruch unseres Systems in 1-3 Jahren vorhersagen.

    Wie man solch eine Veränderung erreichen kann: vollkommene Transparenz in der Politik, mehr plebiszitäre Elemente, Abschaffung des Fraktionszwangs, Reformierung aller Parteien, Öffnung aller Parteilisten für externe Kandidaten und Stärkung der einzelnen Abgeordneten. In den Parlamenten muss endlich wieder diskutiert werden, wofür sie schließlich da sind, es muss wieder mehr gestritten werden, dann kommt der Rest von alleine. Aber so, wie es im Moment läuft, wird in den Parteien ja meistens nur der etwas, der mit der Mehrheitsmeinung konform geht.

    Dazu brauchen wir wieder in allen Landtagen eine Vereinheitlichung der Legislaturperioden auf genau vier Jahre sowie eine Beschränkung der maximalen Amtsdauer der Ministerpräsidenten und Bundeskanzler aus zwei Perioden. Gerne auch für Minister. Weiterhin muss die unsägliche Kleinstaaterei aufhören. Es ist ein Unding, wenn wer von Bayern nach Hessen zieht, dass er dort ein total anderes Schulsystem vorfindet und nicht mehr zeitgemäß. Die Beziehungen zwischen Bund und Ländern gehören genauer geregelt, entzerrt und die Kleinstaaterei im Bundesrat gehört ebenfalls abgeschafft. Von mir aus auch gerne eine Verkleinerung der Bundesländer von jetzt 16 auf 9-10.

    Würde man das erreichen, dann wäre viel erreicht, aber so bleibt einem nur das Interview von Rudi Dutschke mit Gaus aus dem Jahr 1967, seitdem sind wir gesellschaftlich nicht viel weiter gekommen:

    [video=youtube;aaF7PHtv5Do]http://www.youtube.com/watch?v=aaF7PHtv5Do[/video]
     
  3. Leonhardo Regenbogen

    Leonhardo Regenbogen Superstar

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    Ich möchte jetzt nicht die Gesellschaft an allen Ecken und Enden gleichzeitig ändern wollen. Das würde sowieso nicht gehen. Aber es gibt einen Punkt, den ich gerne verändert sehen würde. Und das ist das sogenannte geistige Eigentum.
    In den letzten Jahren wurden immer mehr Gesetze und Regulierungen auf den Weg gebracht, um sogenanntes geistiges Eigentum zu schützen. Dabei geht es eigentlich nur darum, ein in die Jahre gekommenes Geschäftsmodell zu bewahren. In einigen Ländern wird sogar schon Internetzensur betrieben um den Zugriff auf Resoucen, die eine andere Auffassung zu diesen Eigentumsbegriff haben zu blockieren. Es gibt auch schon Fälle, wo mit der Begründung von Urheberrechtsverletzung die freie Meinungsäußerung unterbunden wurde.
    Für mich ist das ein Zeichen, dass dieser Eigentumsbegriff zu einem Risiko für die Demokratie geworden ist und generell in Frage gestellt werden sollte.
    Darüber hinaus gibt es es unzählige Rechtsstreitigkeiten über Urheberrecht, Markenrecht, Patente, etc., die sogar schon nach Second Life rein reichen.

    Da kreativ Schaffende natürlich auch von irgendwas leben müssen stellt sich die Frage nach alternativen Geschäftsmodellen. Ich würde mir hier wünschen, die Politik würde mehr Raum für alternative Geschäftsmodelle schaffen und Ideen fördern, die in diese Richtung gehen.
    Und die Gesellschaft müsste erkennen, das geistiges Eigentum eigentlich ein sehr gefährlicher Eigentumsbegriff ist, der nur geschaffen wurde, um ein bestimmtes Geschäftsmodell zu etablieren aber eigentlich kein Eigentum im ethischen Sinne ist.

    Leon
     
  4. Tanja Byron

    Tanja Byron Superstar

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    Mir fehlt jedes Vertrauen in unsere Politiker, jeder ist sich nur noch selbst der Nächste und eine Krähe hackt der anderen Krähe kein Auge aus.

    Wenn einer aus der Reihe tanzt und wirklich versucht etwas nachvollziehbar, sinnvolles, vlt. sogar inovatives zu tun, wird er von den Parteigenossen in Stücke gerissen und in den dunklen Keller geschickt.

    Volksabstimmung halte ich für die geeigneteste Form der Demokratie, denn nur dann zählt der Wille der Allgemeinheit.

    Was nützen Volksvertreter, welche man wählt, wenn sie ihre Wahlversprechen nicht einhalten und die Nähe zum Volk und deren wahre Probleme verloren haben?

    Oh je, ich hör lieber auf, sonst reg ich mich wieder zu sehr auf *grummel*
    Meine persönliche Meinung habe ich ja jetzt im Groben kundgetan :roll:
     
  5. wenn ich einmal träumen darf...

    wenn diese träume zumindest ansatzweise in die realität umgesetzt werden wollen, dann bedarf es zuvor einer weltweiten einigung:

    die staatsoberhäupter treffen sich zu einer uno-vollversammlung und beschliessen die entschuldung eines jeden staates. jeder staat bekommt buchhalterisch das startkapital, das in dem letzten haushaltsplan ausgewiesen ist. realistisch betrachtet, fast alle staaten haben schulden, die sie voraussichtlich nie wieder zurückzahlen können, von daher würde ich mir zu der entlastung eine chance ausrechnen.

    die bundesländer werden aufgelöst, der bundesrat setzt sich aus direkt gewählten vertretern zusammen. die aufgabe des bundesrates: entscheidungen des bundestages zu kontrollieren und im zweifel die gesetzesvorlagen zur neuberatung wieder dem bundestag zu überstellen. die bundesbehörden haben zweigstellen in den ehemaligen bundesländern. die landtage entfallen.

    die abgeordnetenzahl im bundestag wird halbiert. von denen werden zu 50 prozent aus parteien gestellt und die anderen 50 prozent sind direktgewählte parteilose abgeordnete. so kann man zumindest bedingt dem lobbyismus bekämpfem und der satz "jeder abgeordnete ist nur seinem gewissen verpflichtet" bekommt wieder einen sinn. kanzler und bundespräsident werden in direktwahl gewählt.

    abgeordnete, minister und kanzler dürfen max. 2 legislaturperioden von jeweils 5 jahren im amt bleiben, danach müssen sie ausscheiden.

    ganz wichtig: der volksentscheid wird eingeführt. "direkte" demokratrie.

    da ich wie Bart eine "zinslose" wirtschaft unterstütze, werden banken verstaatlicht und reduziert. eine bank reicht dann völlig. um den standort nicht zu gefährden, sind ausländischen unternehmen die übernahmen von inländischen unternehmen untersagt.

    der mehrwertsteuersatz wird auf 50 - 55 prozent angehoben, alle anderen steuern und abgaben entfallen. der vorteil: jeder, auch jeder tourist oder spediteur zahlt dann in die sozialkassen ein. die steuer wird dermaßen vereinfacht, dass heerscharen an beamten entfallen. im gleichen zug entfallen die subventionen, steuerschlupflöcher sowie sämtliche abschreibungen.

    und nun zu meinem lieblingstraum: es wird ein bürgergeld eingeführt, sodass jeder ein grundgehalt hat, ob er nun arbeit hat oder nicht. so kann sich jeder darauf besinnen, wo seine fähigkeiten und talente liegen. wer nun dagegenhält, dass dann ja keiner mehr arbeiten würde oder "unattraktive" jobs übernehmen würde: arbeit ist viel mehr, wie nur broterwerb. durch arbeit entwickelt man selbstvertrauen, einen teil seiner persönlichkeit, man fühlt sich gebraucht als mitglied in der gesellschaft. "unattraktive" jobs können durch zusätzliche finanzielle anreize (keine subventionen) attraktiver gemacht werden.

    vor recht langer zeit las ich ein interview mit dem DM -Drogerie-Chef Herr Werner in der Stuttgarter Zeitung. leider lag es damals nur in der print-version vor. nun endlich kann ich ein ähnliches interview als link einstellen:

    Dm-Chef Werner zum Grundeinkommen: "Wir würden gewaltig reicher werden" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

    wie ich damals das erste interview las, war ich spontan begeistert. nun sind diverse jahre vorüber, trotzdem hat meine begeisterung zu dieser idee nicht nachgelassen.

    aber wie anfangs geschrieben: wenn ich einmal träumen darf....
     
  6. Schöne Ideen. Übrigens ist die zinslose Wirtschaft nicht unbedingt ein Hirngespinst, sondern kommt früher oder später als Folge des Zusammenbruchs des jetzigen Wirtschaftssystems.

    Der Wirtschaftsprofessor Franz Hörmann sagte dazu neulich mal dies:
    Das ist nicht ganz korrekt. Es gibt zwei Bedingungen, die, wenn sie zusammentreffen, sehr wohl den Systemcrash auslösen können und werden. Zunächst muss die Geldversorgung der Staaten bzw. Währungsräume für alle sichtbar nur noch über die Zentralbanken erfolgen, durch den Ankauf von Anleihen, die sogenannte Monetarisierung der Staatsschulden. Die FED praktiziert dies schon seit längerem völlig ungeniert, und hinter den Kulissen ist auch die EZB bereits auf diese Vorgangsweise übergegangen. Dies erschüttert das Vertrauen in die jeweiligen Währungen so nachhaltig und endgültig, dass es (wenn überhaupt) nur noch durch eine nachfolgende Währungsreform wiederhergestellt werden kann. Die zweite Bedingung besteht dann darin, dass die betreffenden Schuldnerstaaten nicht einmal mehr die Zinsen auf die Staatsschuld bezahlen können. Diese Situation wird aus mathematischer Sicht bereits 2011 für die meisten großen Schuldnerstaaten eintreten. Wenn nicht einmal mehr die Zinsen verdient werden können, die Zentralbanken aber immer weiter Geld gegen Staatsanleihen ausgeben, dann wird die gesamte Weltöffentlichkeit die Staatsanleihen als vollkommen wertlos erkennen und gleichzeitig damit auch das dagegen emittierte "Geld" – genau diese Konstellation wollten die Zentralbanker seit Jahrzehnten verhindern und sind dennoch exakt an diesem Punkt gelandet!

    Die eine Bedingung erleben wir ja bereits munter, in den USA druckt die FED Dollars wie blöde und kauft haufenweise die eigenen Staatsanleihen zurück. Die zweite Bedingung, dass Schuldnerstaaten nicht mal mehr die Zinsern zahlen können, hatten wir auch schon in Griechenland, Portugal und Irland gehabt. Wenn so langsam dann die Retterstaaten wie Deutschland selber umzukippen drohen, dann wird es richtig lustig.

    Über die zinsbasierte Wirtschaft sagt er übrigens dies:
    Die wichtigste Voraussetzung dafür ist zunächst eine ehrliche und tabulose Information sowohl der Finanzeliten als auch der breiten Bevölkerung. Einerseits müssen die Verlustängste an der Spitze der Gesellschaftspyramide verstanden und gedämpft werden, andererseits müssen wir verhindern, dass die einfachen Menschen in ihren bisherigen Eliten plötzlich nur noch Gauner und Betrüger sehen und offene Feindseligkeiten ausbrechen. Es stimmt durchaus, dass viele Mitglieder der (politischen wie finanziellen) Eliten die so genannte Krise nicht voraussehen konnten, weil ihnen im Rahmen ihrer Ausbildung gezielt ein "blinder Fleck" antrainiert wurde, der über viele Jahrzehnte hinweg garantierte, dass diese Menschen die absurden Grundlagen unseres Wirtschaftssystems (Geld wird nur als Schuld und ohne Gegenwert, also quasi "aus Luft", erschaffen, muss dann aber den Banken vermehrt um Zinsen, welche in der Geldmenge nie vorhanden sind, "zurückgegeben" werden) niemals erkennen konnten. Jede diesbezügliche Kritik kompetenter Wissenschaftler wurde von diesen Eliten sofort (aufgrund des Effekts der kognitiven Dissonanz) verdrängt und ignoriert. Nur durch diese Mechanismen konnte dieses absurde System in den "freien Marktwirtschaften" so lange aufrechterhalten werden.
    Wenn wir allen Gesellschaftsschichten zeigen können, dass Zähleinheiten als symbolische Gegenleistungen nur dann sinnvoll sind, wenn auch die Transaktionen (inklusive der beteiligten natürlichen Personen sowie der jeweiligen ökonomischen Gegenleistungen) miterfasst und transparent gespeichert werden und der Wohlstand einer kooperativen Gesellschaft (und zwar aller sozialen Schichten gemeinsam!) niemals von der Verteilung dieser Zähleinheiten in der Gesellschaft, sondern vom Stand der Technologie und ihrer Umweltverträglichkeit abhängt, dann können wir innerhalb kürzester Zeit erreichen, dass tatsächlich alle Menschen "an einem Strang ziehen". Eine herausragende Rolle hierbei werden v.a. die Medien spielen müssen.
     
  7. daher würde ich in einer weltweiten enschuldung eine große chance sehen, sie gar für realistisch erachten. diese könnte dann zu vielen verbesserungen in den jeweiligen ländern führen. die ehemaligen zinslasten könnten in soziale bereiche gesteckt werden oder sie könnten in die bildung investiert werden. wiederum bei anderen staaten mag die entschuldung dazu führen, dass sich endlich mal ihre bevölkerung ausreichend ernähren kann. natürlich je nach grad der korruption in den einzelnen staaten.

    hm Barth, täusche ich mich oder ist die aussage von Franz Hörmann doppelt?
     
  8. Loredana Varonia

    Loredana Varonia Superstar

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    Von Wirtschaft habe ich etwa so viel Ahnung wie von Technik, nämlich 0. Also sage ich dazu mal nichts.

    Ansonsten würde ich nicht behaupten, dass alle Politiker primär nur an sich denken. Ich glaube schon, dass es einige gibt, die noch Idealismus haben. Wenn der nicht immer meinen Vorstellungen entspricht, so ist das freilich ein anderes Problem. Für den Wahlkreis, in dem ich wohne, war jahrzehntelang der kürzlich verstorbene Hermann Scheer im Bundestag. Sicher war ich auch nicht immer 100% seiner Meinung, aber er war für mich und viele meines Alter hier ein Musterbeispiel dafür, wie ein Politiker im besten Fall sein sollte! Das nur am Rande, um halt zu verdeutlichen, dass man auch nicht alle Politiker über einen Kamm scheren sollte.

    Die Aussagen des DM-Chefs kenne ich auch und finde sie mehr als interessant. Wobei man vielleich von einer Idealvorstellung des Menschen in seiner Funktion als "zoon politikon" ausgeht. Leider sieht die Realität oft anders aus. Aber in meinen Augen wäre es einen Versuch durchaus wert.

    Zur Pressefreiheit: ob die in unserer westlichen Gesellschaft noch so häufig anzufinden ist, bezweifle ich einfach mal. Ich hab da Artikel gelesen (erinnere mich jetzt nicht an die Quelle, kann es aber recherchieren), wonach Italien gaaanz weit unten rangiert. Berlusconis Verdienst. Und bei uns... naja, etwas besser!
     
  9. Ja falsch kopiert, hab's inzwischen berichtigt.

    Es ging kurz gesagt grob darum, dass bei uns die Banken aus Luft heraus Geld schaffen, Geld immer nur gleich Schuld ist, aber diese Zinsen ständig bedient und verdient werden müssen, diese Zinsen aber in der Geldmenge nicht vorhanden sind. (Geld wird nur als Schuld und ohne Gegenwert, also quasi "aus Luft", erschaffen, muss dann aber den Banken vermehrt um Zinsen, welche in der Geldmenge nie vorhanden sind, "zurückgegeben" werden.)

    Er plädiert für eine Abkehr der Fiat-Lux-Währung hin zu einer Währung, die wieder eine Deckung besitzt und dass der Wohlstand einer Gesellschaft nicht von dessen unterschiedlicher Verteilung abhängig sein darf, sondern einzig und alleine vom Stand der Technologie und ihrer Umweltverträglichkeit.

    Wer übrigens eine Veranschaulichung der Absurdität exponentiellen Wachstums braucht, für den mal dieses einfache Diagramm aus der Wikipedia:

    [​IMG]

    Wichtig ist dabei die grüne Linie. Das und nichts anderes ist exponentielles Wachstum. Man sieht, dass exponentielles Wachstum zuerst ganz langsam ansteigt, aber dann auf einmal eine solche Steigung erfährt, dass man diese sehr schnell nicht mehr bedienen können wird, wenn die zugrunde liegenden Voraussetzungen (z.B. Rohstoffe) endlich und limitiert sind.

    Beispiele für exponentielles Wachstum ist z.B. unser Wirtschaftswachstum, auf das wir ja alle so gerne schielen. Das wird ja immer am Stand des Vorjahres gemessen und ist damit in der Kategorie.

    Ein weiteres Beispiel, oh Wunder, unsere zinsbasierte Wirtschaft. Wir befinden uns da inzwischen im Endstadium der Wachstumslinie, das heißt es wird immer schwieriger alleine die Zinsen zu finanzieren und schon daher kracht es systemimmanent früher oder später gehörig.
     
  10. Gerry Brouwer

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    Hallo zusammen,

    bevor ich meine wohl etwas anderen Meinung kundtue, habe ich ein kleines Verständnisproblem. In dem Fall, das die Währungen wegen Überschuldung kippen und dies nicht komplett Weltweit der Fall ist, würde mich interessieren, welches Geld noch übrig sein soll, das in Bildung, oder soziales investiert werden sollen. In diesem Fall, dürfte keines mehr da sein, denn die Währung wäre ja im Endeffekt nichtmal mehr das Papier wert, auf der sie gedruckt ist.

    Gerade das wäre für eine Exportnation wie Deutschland sicherlich alles andere als optimal.

    Jetzt aber zurück zum eigentlichen Thema:

    Ich würde mir wenn eher einen Staat mit einfacheren Verfahren im alltäglichen Leben wünschen. Sprich einen weitestmöglichen Abbau der Bürokratie, Verwaltung, Regierung, wie Bart es ja auch schon angesprochen hat.

    Da der Mensch eben "nur" ein Mensch ist und auf eine gewisse Art tickt, würde ich mir den Weg weg vom Sozialstaat wünschen. Um ein einfaches Beispiel für meine Bewggründe zu geben, ich kenne sehr viele Menschen, die eben nicht arbeiten, weil es sie verwirklicht, sondern einfach nur arbeiten gehen, da es zum Lebensunterhalt notwendig ist, so man sich bestimmtes "leisten" will.

    In einem Bürgergeld, sehe ich persönlich die Gefahr, das diese Anreize wegfallen und seien wir mal ehrlich, der Mensch ist von Natur aus faul. In diesem Kontext fällt mir ein Spruch ein, den man sehr häufig hört "Ich lebe nicht um zu arbeiten, ich arbeite um zu leben".
     
  11. Loredana Varonia

    Loredana Varonia Superstar

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    @Gerry: Deine Bedenken in deinem letzten Absatz kann ich nachvollziehen und habe diese auch. Ich hab so meine Zweifel, ob ich viel machen würde, wenn ich nicht unbedingt müsste...Gar nichts tun wäre sicher nicht mein Ding, aber eben weniger als jetzt. Andererseits kenne ich genügend Fälle, denen es reicht, was sie vom Staat, der Arge etc. kriegen. Und nach einer gewissen Zeit ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, die wieder "umzupolen". Trifft sicher nicht auf alle zu, aber auf viele.
     
  12. die entschuldung sollte in der tat vor dem umkippen der währungen geschehen. welches geld da wäre, um investiert zu werden? das geld für die eingesparte zinsbelastung, von tilgungsraten will ich gar nicht mehr sprechen.

    ansonsten haben wir wohl unterschiedliche erfahrungen gemacht. ich kenne sehr viele leute, die sicherlich auch zum broterwerb schaffen gehen, aber eben auch aus spass an der arbeit.

    @ Barth

    wirklich eine sehr interessante aussage. und sie macht vor allem sinn. was ich allerdings nicht verstehe, wie genau soll die technik und die umweltverträglichkeit "beziffert" werden, um ein instrument zu haben, das den wohlstand bewerten kann?
     
  13. Gerry Brouwer

    Gerry Brouwer Freund/in des Forums

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    Wie genau sollte so eine Entschuldung von statten gehen, ohne das es rigeros inflationär wäre ? Da würde mir kein Weg einfallen. Dieser Weg allerdings, würde alle treffen, die sich mühsam etwas angespart oder für die Altersversorgung zurückgelegt haben.
    Witzigerweise, ist es da nichteinmal interessant, wie viel man angespart hat, da jeder das in seinen Möglichkeiten tut, oder eben auch nicht. Ob dann hart ersparte 1000,00 einer Währung verloren gehen, oder leicht verdiente Millionen.

    Und um meine These etwas zu untermauern, ein Großteil der Wirtschaft wird erfolgsorientiert vergütet, worin auch immer dieser Erfolg, oder die Arbeitsleistung gemessen wird. Würden die Menschen es aus Spaß tun, würde sich an genau dieser Stelle sehr viel Geld sparen lassen und das aus Sicht der Unternehmen, deren Führungen eh nur an Zahlen und nicht an Menschen interessiert sind.

    Hinzu kommt, das selbst ich, obwohl ich meinen Job sehr gerne mache und auch im Urlaub oder im Krankheitsfall immer erreichbar bin und auch arbeite, nach ein paar freien Tagen ersteinmal das "keine Lust" Gefühl habe, das wohl wirklich jeder kennt.

    Des weiteren ist eine schleichende Bewusstseinsänderung zu bemderken, die ich im privaten Umfeld schon mitbekommen habe und die auch in diversen Berichten aufgezeigt wird. Wenn es angeboten wird, warum sollte ich es nicht annehmen, was meine Eltern machen klappt doch, warum sollte ich nicht. All solche Faktoren beeinflussen das Leben der Menschen.

    Und das man "unterpirveligierte" Jobs auf irgendeine Weise schmackhaft machen kann, ausser mit Einbeussen, wage ich persönlich schwer zu bezweifeln.
     
  14. ich zitiere mich mal selbst, aus meinem ersten beitrag:

    die staatsoberhäupter treffen sich zu einer uno-vollversammlung und beschliessen die entschuldung eines jeden staates. jeder staat bekommt buchhalterisch das startkapital, das in dem letzten haushaltsplan ausgewiesen ist. realistisch betrachtet, fast alle staaten haben schulden, die sie voraussichtlich nie wieder zurückzahlen können, von daher würde ich mir zu der entlastung eine chance ausrechnen.
     
  15. Viele Fragen, viele Möglichkeiten und keine einfachen Antworten, so wie immer eben im Leben.

    Auf die Frage danach, wie man Technik und Wohlstand bewerten soll Ganzbaf, habe ich auch keine Antwort, das ist ja eine These dieses Wiener Wirtschaftswissenschaftlers. Ich habe ihn nur zitiert.

    Ansonsten zum Thema Geld an sich: unser Geld ist solange etwas wert, solange wir ihm vertrauen. Ich habe es ja schon mal "Fiat Lux Währung" genannt, das bedeutet nichts anderes, dass es nichts anderes als bedruckte Papierblättchen sind, die der Staat herausgibt. Es gibt schon lange keine feste Deckung, keinen festen Gegenwert mehr, der den Wert des Geldes noch wirklich garantiert.

    Das war früher anders. Bei den alten Römern in der Antike zum Beispiel waren Münzen ja aus Bronze oder Silber gemacht. Eine Münze entsprach damals genau dem Materialwert, den man in Händen hielt. Das ging auch gut, bis irgendwann ein Kaiser damit anfing, dem Silber in kleinerem Umfang minderwertiges Metall beizumischen, so funktionierte damals die schleichende Form der Geldentwertung.

    Geld ist in gewisser Weise also so etwas wie ein Anteilsschein an den Erzeunignissen einer Volkswirtschaft. Damit es aber funktioniert, muss das Vertrauen gegeben sein, dass ich mir dafür auch etwas zuverlässig kaufen kann. Ist dies nicht mehr gegeben, dann hat man eine Situation wie in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg vor der Einführung der D-Mark.

    Ideen dazu, wie man das umstellen könnte, gibt es reichlich. Momentan schiessen ja stark regionale "Währungen" und Tauschringen aus den Böden.

    Das Problem an unserer Wirtschaft ist ja dieses: angenommen, es gäbe 1000 Geldeinheiten in Umlauf. Jetzt zahle ich bei meiner Bank genau 200 Geldeinheiten ein und erwarte, dass ich dafür eine gewisse Verzinsung im Jahr bekomme.

    Wenn das viele machen, dann muss die Geldmenge zwangsweise steigen, da sonst die Zinsen nicht gezahlt werden können.

    Oder bei dem Modell leihe ich mir meinetwegen genau 1000 Geldeinheiten bei einer Bank zu einem Zinssatz von 10% p.a. So, dieses Geld existiert aber nur anfangs gar nicht, das bedeutet, es muss wieder irgendwo die Notenpresse angeworfen werden.

    Und das ist das Grundproblem mit den Zinsen: die Geldmenge wird ständig größer und größer. Dieses System geht, da exponentiell, lange Zeit gut, wenn man sich aber in der Endphase befindet wird es immer schwieriger, noch alleine die Zinsen zu bezahlen geschweige denn den Rest.

    Die ganzen Bailouts an die europäischen Staaten dienen dazu, das jetzige Währungssystem zu stützen. Täte man es nicht, dann würde es hoffnungslos wegen des Vertrauensverlustes der Bürger in sich zusammenbrechen wie ein Kartenhaus und durch etwas anderes ersetzt werden, sei das eine neue Währung auf den alten Grundlagen oder etwas gänzlich neues.

    [video=youtube;ByWXyO7TWC8]http://www.youtube.com/watch?v=ByWXyO7TWC8[/video]
     
  16. Loredana Varonia

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    Seit Jahren ist es aber so, dass beispielsweise die Zinsen für Hypothekendarlehen extrem niedrig sind...Komischerweise waren bei meiner früheren Bank auch die Überziehungszinsen extrem hoch.
     
  17. Das mag sein, Dana, aber das ist nicht das Grundproblem des Systems. Das Grundproblem der Zins- und Zinsenszinswirtschaft ist, dass es auf exponentiellem Wachstum basiert, und damit immer schneller immer mehr Geld bedient werden muss, bis irgendwann einfach nicht mehr genügend da sein wird und so das System in sich zusammenbricht. Niedrigere Zinsen sorgen dafür, dass es vielleicht ein wenig länger dauert, aber der Zusammenbruch an sich ist systemimmanent, da es langfristig systembedingt nur die weitere Steigung kennt.

    Das wird in dem Video meines vorherigen Beitrags ein wenig deutlich, wenn man sich die Rolle der Banken anschaut. Hier ist übrigens das, was Dirk "Mr. Dax" Müller dazu sagt, das ist kürzer, sollte man sich wirklich mal anschauen, schon alleine wegen des Josefspfennigs. Es sind knappe vier Minuten, klar und präzise formuliert, die sehr gut demonstrieren, was das Problem an unserem System ist:

    [video=youtube;2a5QLDPP5_M]http://www.youtube.com/watch?v=2a5QLDPP5_M[/video]
     
  18. @ Barth

    danke für den film und die erklärung des josefpfennigs. ich habe auch noch ein altes postsparbuch mit 15,- euro. das bedeutet, in 2000 jahren werde ich vor geld nicht mehr aus den augen schauen können, auch wenn der zinssatz nur 10 prozent von dem beträgt, den Josef fiktiv ausgehandelt hatte. ;)

    aber ernsthaft, das problem stellt sich sehr viel schlimmer heraus, wie ich es angenommen habe. sicherlich kann der staat an sich immer mal wieder nachjustieren, aber irgendwann fehlt auch dem das geld dazu, bzw. er ist immer wieder genötigt, die steuern und abgaben zu erhöhen um die schuldner unterstützen zu können. damit beißt sich die katze in den eigenen schwanz und er wird von diesem strudel mitgerissen.

    doch kommen wir nun zu der frage, vor der ich mich gedrückt habe:

    ich denke, aus dem interview mit Rudi Dutschke kann man einiges lernen. denn er sagte es bereits: veränderungen werden sehr lange dauern. für gesellschaftsverändernte ideen muss das bewußtsein geschaffen werden.

    mittlerweile wage ich es zu bezweifeln, dass man das schaffen kann, in dem man einer partei beitritt. eher denke ich, dass öffentlichkeitsarbeit der richtigere weg ist. über die themen zu sprechen, zu diskutieren. hier, an der arbeit, im freundes- und bekanntenkreis. gegen manche sachen kann man klagen und zeichen setzen. aber wie Rudi Dutschke sagte, das bewußtsein eines jeden einzelnen muss sich bilden. und das dauert....
     
  19. Der Staat kann beliebig nachjustieren, Ganzbaf, denn er macht das Geld ja so wie andere Brötchen backen. Er druckt es einfach nach Belieben, natürlich kann das zu einer Inflation führen, muss aber nicht. In den USA druckt die Notenbank so viel Geld aus dem Nichts, dass sie inzwischen ja die eigenen Staatsanleihen zurückkaufen. Das werden sie noch solange machen, bis das Vertrauen in den Dollar flöten geht und dann werden die Probleme richtig anfangen.

    Probate Mittel um solche Probleme für einen längeren Zeitraum zu lösen sind zum Beispiel eine grassierende Inflation wie in den 1920ern mit der Enführung einer neuen Währung oder ein Krieg, nachdem die Wirtschaft ordentlich in Trümmern liegt. Nichts kurbelt das Wirtschaftswachstum mehr an als das. Wozu es letztendlich kommen wird, da habe ich auch keine Ahnung.
     
  20. Loredana Varonia

    Loredana Varonia Superstar

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    Ich weiß das zwar auch nicht, habe aber gewisse Befürchtungen.